Was du nicht weißt und dir auch keiner sagt

06.11.2015 14:06

Wer schon mal mit Ämtern oder sonstigen Einrichtungen zu tun hatte, weiß, es wird viel geredet, viel verlangt, doch wenn es darum geht etwas von denen zu bekommen, muss man kämpfen bis zum Umfallen und meistens bekommt man dann auch nur das, was sowieso jedem bekannt ist. Dass es aber noch so einiges gibt, was sehr gerne verschwiegen wird, das ist sicherlich auch bekannt, doch die wenigsten geben sich die Mühe sich schlau zu machen. Andere wissen es gar nicht erst. Woher auch?


Ich bin ehrlich, meistens bin ich zufällig auf gewisse Zusatzinformationen gestoßen, wobei ich ja gar nicht an Zufälle glaube, doch das ist ein ganz anderes Thema. Klar, man bekommt einiges in den Nachrichten mit, nur, bei der Flut an Informationen, sorry, da bleibt bei mir nicht immer alles hängen und sowieso, man rechnet ja auch nicht immer damit, gewissen Dinge mal in Anspruch nehmen zu müssen. Aber wie das Leben nun mal so Spielt, Dinge ändern sich und plötzlich stehst du vor Herausforderungen und bist für jede Hilfe froh, die du bekommen kannst. Und Deutschland ist in diesem Sinne, ein sehr hilfreiches Land, wenn man denn Bescheid weiß... Und da fangen die Probleme an!


Vielleicht werden einige von euch jetzt denken "Wohnt die hinterm Mond?", aber einige werden sicher auch denken "Oh, das ist mal gut zu wissen!", und weil ich selbst darüber staunen muss, was ich alles so nicht wusste, dachte ich mir, ich muss dann doch einfach mal über meine Erfahrungen berichten.


Meine ersten Beobachtungen diesbezüglich fingen an, als mein Kind in den Kindergarten musste. Unsere finanziellen Verhältnisse waren damals nicht die besten, und trotz der Tatsache, dass mein Mann arbeiten ging, mussten wir zusätzliche Hilfe beantragen. Was ja an sich schon traurig genug ist. Dass man aber zum Beispiel beim Jugendamt einen Antrag stellen kann, zur Übernahme der Kindergartenbeiträge, das war mir nicht bekannt zu diesem Zeitpunkt. Woher denn auch? Weder ARGE noch sonst irgendwer hat es erwähnt. Erst als ich mich mit einer anderen Mutter unterhielt, erfuhr ich beiläufig, dass es diese Möglichkeit gibt. Und wer Geld vom Amt bezieht, weiß, was es bedeutet 70€ (ja damals waren es nur 70€) zu haben oder nicht. Sollte eigentlich jeder wissen, doch glaubt mir, es gibt auch Menschen für die 70€ einfach gar nicht erwähnenswert sind.


Die Zeit verging, das Gehalt meines Mannes stieg, ein zweites Kind war da, wir hatten es endlich geschafft und mussten kein Harz4 mehr zusätzlich beantragen, aber es bestand trotz allem Anspruch auf Wohngeld. Diese nette Information bekamen wir dann allerdings von der ARGE, denn, wenn die Wohngeldstelle einspringt, mussdie ARGE nicht zahlen ;-) man versteht sich...


Und auch da! Wer Wohngeld bezieht, hat so einiges an weitere Ansprüche. Man kann immer noch die Übernahme der Kindergartenbeiträge bewilligt bekommen. Und wenn das Kind Schulreif ist, werden auch die Leihgebühren der Schulbücher erstattet. Das ist aber eine Information die standartmäßig beim Antrag der Schulbuchausleihe dabei ist. JA! Warum denn auch nicht? Wenn es doch diese Möglichkeit gibt, warum sollte man sie verschweigen??


Aber als mein Sohn dann die Schule wechselte und von nun an mit dem Bus fahren musste, was ja auch nicht gerade billig ist (60€ im Monat sind schon ganz schön viel) habe ich auf gut Glück bei Google mal nach der Übernahme dieser Kosten geschaut, und siehe da! Es gibt ja ein Bildungs- und Teilhabepaket! Klar, diesen Begriff hatte ich schon mal gehört, doch irgendwie ist das absolut an mir vorbeigegangen und so habe ich mich wirklich geärgert, denn im Laufe der Zeit habe ich dem Staat dann doch einiges an Geld geschenkt. Und seien wir mal ehrlich? Schenkt der Staat uns Geld??? Wenn es darum geht uns etwas zu nehmen, da sind die Behörden ganz schnell ganz laut, doch wenn es darum geht uns zu helfen, ja... da musst du schon selber schauen. Traurig oder?


Und genau deshalb, habe ich einen Antrag gestellt, damit die Kosten für den Schulbus übernommen werden, immerhin bekamen wir immer noch 10€ Wohngeld im Monat sodass wir auf dieses Paket vollsten Anspruch hatten. Und da! Überraschung! Als ich zum Jugendamt fuhr, um fehlende Unterlagen abzugeben, traf ich auf eine sehr nette Mitarbeiterin, die mir das Paket mal komplett erklärte, und als ich fertig war, bekam ich für jedes meiner Schulpflichtigen Kinder 100€ für Schulbedarf und sogar der Beitrag für den Sportverein wird mitunterstützt.  Die Kosten für die Klassenfahrt meines Ältesten wurden komplett übernommen und wenn meine Kinder in der Schule essen müssten oder Nachhilfe benötigten, hätte ich auch da Anspruch auf finanzielle Hilfe.


Für diese Informationen war ich dann natürlich doppelt froh, als ich mich dann von meinem Mann trennte und mit meinen 3 Kindern alleine dastand. Denn seien wir mal ehrlich, auch wenn ich sagen muss, dass der Harz4 Anspruch ausreichend ist, um normal leben zu können, wenn ich all diese Beträge auch noch selber stemmen müsste, würden meine Kinder ab dem 15. nur noch Suppe zu essen bekommen... um es mal utopisch dahinzustellen.


Womit wir schon beim nächsten Punkt wären... Harz4... ja, klar, stolz bin ich sicher nicht, darauf angewiesen zu sein, und ich werde alles daran setzten diesen "Zustand" zu ändern, doch, als Alleinerziehende mit 3 Kindern musst du erst mal einen Job finden, bei dem du so viel verdienst, um das abzudecken was benötigt wird. Aber auch das ist ein anderes Thema. Was ich eigentlich dazu sagen wollte ist, dass auch hier gerne Informationen unterschlagen werden. Nicht genug, dass ich eine Ewigkeit auf die Bearbeitung meiner Unterlagen warten musste, weil ständig etwas fehlte oder einfach kein Personal da war, der meinen Antrag hätte bearbeiten können, nein, ich musste (weil ich mich ja vorher schlau gemacht hatte) auch noch die Mitarbeiter darauf ansprechen, ob es denn möglich wäre einen Zuschuss zu bekommen, damit ich meine neue Wohnung einrichten kann. Denn bei einer Trennung ist es ja so, dass der Haushalt geteilt wird und ich zum Beispiel eine Küche brauchte. Womit hätte ich die denn bezahlen sollen? Kein Geschäft war bereit mir etwas auf Raten zu verkaufen, also musste ich ja irgendwie an Geld kommen. Was auch Problemlos funktionierte, als dann mein Antrag denn endlich mal bearbeitet war. Auch für die Renovierungskosten die ich hatte, hatte ich AUF NACHFRAGE einen Antrag bekommen... den hat das Amt aber leider verschlampt... aber das ist ja auch nichts Neues! Hätte ich allerdings nicht gezielt nach diesen Anträgen gefragt, hätte mir keiner der 5 oder 6 Mitarbeiter mit denen ich in dieser Zeit zu tun hatte, auch nur ein Sterbenswörtchen darüber verloren. Ist das nicht traurig? Aber wehe, WEHE du bringst ein Papier einen Tag zu spät, dann wird dir das Geld SOFORT gekürzt! Vielen Dank auch.


Aber nicht nur mit Ämtern muss man sich so herumschlagen. In den letzten beiden Wochen komme ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.


Wer meinen letzten Bericht gelesen hat, weiß ja, dass ich im Sommer ins Krankenhaus musste, weil ich einen Schlaganfall hatte. Keine Sorge, mir geht es gut, ich hatte Glück. Doch seitdem muss ich Medikamente nehmen, die mir von den Ärzten im Krankenhaus verordnet wurden. Diese kannten ja meine Krankenakte und darin stand ja auch, dass ich die Pille nehme. Und man vertraut ja den "Göttern in Weiß"... Als ich dann vor 2 Wochen meine Gynäkologin aufsuchte, zur reinen Routine, und ihr von meiner Medikation berichtete, fiel diese fast vom Stuhl und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.  Beide Medikamente vertragen sich nun mal überhaupt nicht und ich müsse SOFORT die Pille absetzten. Und als sie dann erfuhr, dass ich eine Migränepatientin bin, war sie nochmal so schockiert, denn ich hätte die Pille eigentlich NIE nehmen dürfen,weil eben die Gefahr einen Schlaganfall zu bekommen dadurch einfach erhöht ist... in all den Jahren, hat mir weder meine vorherige Ärztin noch mein Neurologe, bei dem ich wegen der Migräne in Behandlung war, irgendetwas davon erzählt! Wie hätte ich da denn selbst draufkommen sollen?


OK, nun wusste ich also Bescheid, war verärgert über all das Nichterwähnte und darüber, dass so einiges sicher hätte vermieden werden können, aber es geht ja weiter. Was nun? Ich muss ja verhüten und das dauerhaft, da eine Schwangerschaft auch nicht mehr in Frage kommt, eben wegen dieser Geschichte, was im Krankenhaus auch niemand für nötig gehalten hat zu erwähnen.... Eine Sterilisation wäre laut meiner Ärztin die beste Lösung, aber ehrlich gesagt bin ich dazu mental einfach nicht bereit, also bleibt noch die Spirale als bestmögliche Lösung. Soweit so gut.  Kostenpunkt ca. 300€, wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt. Mit dieser Aussage ging ich nach Hause. Hm, ja 300€... die ziehst du dir ja mal nicht einfach so aus den Fingern. Also habe ich kurzer Hand meine Krankenkasse angerufen. Und siehe da... wenn es um eine medizinische Notwendigkeit handelt, was in meinem Falle ja eindeutig so ist, dann werden diese Kosten von der Kasse übernommen! Ah! WARUM? Warum bitte, sagt mir das meine Ärztin nicht??? Auf diese Frage habe ich heute noch keine Antwort, aber nächste Woche bin ich schlauer...


Leute, was ist das hier für ein Land, in dem man alles selbst herausfinden muss? Dinge verschwiegen werden, auf des Menschens Kosten?


Eins habe ich aber dabei gelernt, ich lasse mir sicher nichts mehr gefallen und was meinen Kindern und mir zusteht, das nehme ich mir.


Und vielleicht habt auch ihr Anekdoten zu diesem Thema, ich würde mich sehr freuen davon zu lesen.


Thema: Was du nicht weißt und dir auch keiner sagt

Was du nicht weißt und dir auch keiner sagt

Isa | 07.11.2015

Ich kann darüber Romane schreiben, ich war ja auch lang alleinerziehend. Wenn du Fragen hast oder Hilfe brauchst, schrei einfach, du weißt wo du mich findest Liebes :)
Grüßle, Isa von Isa's Welt

Antw.:Was du nicht weißt und dir auch keiner sagt

Neonchen | 07.11.2015

Danke Isa ;-) meine "Bloggermama" :-)

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